Jubiläumsinterview mit Dietmar Fuchs
Lieber Dietmar, so knapp vor deinem Renteneintritt lass uns doch gemeinsam „kurz“ zurückblicken.
Seit wann bist du schon bei uns?
Angefangen habe ich bei der Firma Blecher am 1. September 1992. Ist also schon ne Weile her.
Erinnerst du dich noch an deinen ersten Arbeitstag? Was war denn so dein erster Eindruck? Was hat dich überrascht?
Ja, daran erinnere ich mich noch sehr gut. Man sagte zu mir, das ist dein Büro und jetzt mach mal.
Überrascht hat mich damals nicht so recht etwas, um ehrlich zu sein.
Was hatte dich damals an deiner Arbeit oder an dem Unternehmen besonders gereizt?
Die Zusammengehörigkeit hier und als Familienunternehmen. Der Arbeitsplatz sind die Aufgaben.
Welche Aufgaben hast du heute? Und wie haben sich diese im Laufe der Zeit verändert?
Momentan bin ich als Betriebsleiter tätig. Angefangen habe ich als Disponent und ich habe den Fuhrpark und die Produktionssteuerung aufgebaut.
Gab es hier besondere Projekte, auf die du stolz bist?
Auf alles kann man stolz sein. Was hier im Laufe der Jahre aufgebaut und geschafft wurde, das ist einfach eine enorme Leistung aller Mitarbeitenden.
Gibt es irgendwas, was dich in deiner täglichen Arbeit besonders motiviert?
Das, was wir tagtäglich hier schaffen, der Kontakt mit den Lieferanten mit den Kunden mit den Mitarbeitern. Das motiviert mich immer wieder aufs Neue. Und der Ansporn, dass alle Termine gehalten werden sollen, was nicht immer gelingt, aber im Laufe der Jahre immer besser geworden ist.
Du hast viele Jahre hier erlebt. Was hat sich welcher am meisten verändert? In der Technik, in der Zusammenarbeit, in der Unternehmenskultur, was auch immer?
Oh Gott, wo soll ich da anfangen? Als ich hier angefangen habe, hatten wir zum damaligen Zeitpunkt eigentlich schon sehr gute Maschinen. Das war noch nicht digitales dabei, wie das heute der Fall ist. Es wurde alles mit Doppelgärungssägen geschnitten. Dann wurde auf einer Maschine die Entwässerung gemacht. Dann wurde mit zwei Kopfschweißmaschinen die Sache zusammengeschweißt. Dann hatten wir einen Eckenputzer mit Fräsköpfen Und der Rest war eigentlich alles manuelle Arbeit. Es wurde noch die Dichtung von Hand eingezogen. Die Verglasung wurde von einer Person ausgeführt, da wurden dann auch gleichzeitig die Glasleisten geschnitten. Ja, und dann der Wandel. Hin zu einer automatischen Fertigung über ein zu einem Bearbeitungszentrum. Dann zu 4-Punkt-Schweißmaschinen, dann zu Doppeleckenputzern mit Logistik, mit Glassortierung. Das war so der Wandel der Zeit, die Digitalisierung und die Automatisierung in dem Betrieb.
Wie siehst du die Unternehmenskultur damals und heute?
Die Zusammengehörigkeit damals, wie ich hier angefangen habe, um den Mitarbeitern war bedingt durch die Größenordnung eine andere. Nicht jeder Mitarbeiter hatte den Gedanken, ich habe meine Arbeit getan, jetzt ist Schluss, sondern es war so, jeder hat dem anderen geholfen und wenn zum Schluss noch verladen werden musste, dann waren dann auch noch Leute aus der Produktion, vom Anschlag oder der Verglasung. Die waren dann halt noch mit dabei, so lange bis dann alles fertig war und dann ging man geschlossen in den Feierabend. Hin und wieder hat man auch mal nach der Arbeit noch ein Bier getrunken oder ist man in die Kneipe gegangen. Das hat sich im Laufe der Zeit doch sehr verändert und ist natürlich auch der Unternehmensgröße geschuldet.
Was ist deiner Meinung nach trotz aller Veränderungen gleichgeblieben?
Da würde ich sagen, die kurzen Entscheidungswege in dieser Firma. Man kann über alles reden. Man hat immer generell Ansprechpartner, auch in der Geschäftsleitungsebene. Und es wird immer versucht, Probleme direkt zu lösen. Da hat sich bis heute nichts dran geändert und das ist gut so!
Gibt es irgendwas, woran du da besonders gern zurückdenkst, wo du richtig schmunzeln musst?
Logisch erinnert man sich gerne eigentlich auch an jeden Mitarbeiter. Man hat auch zu jedem Mitarbeiter noch ein Bild vor Augen. Ob das jetzt 30 Jahre her ist, gestern oder vor einem Jahr war, man hat immer zu jedem Mitarbeiter seine eigenen Gedanken und an den einen kann man sich lustigerweise erinnern und an den anderen da muss man dann sagen, naja gut.
Gibt es irgendwas, woran du da besonders gern zurückdenkst, wo du richtig schmunzeln musst?
Ich kann mich noch gut daran erinnern: Markus Klaus und Volker Reppel. Markus beim Flügelanschlag, Volker beim Rahmenanschlag und der Radler beim Verglasen. Und da wurde immer schön vor die Presse gestellt, der holte sich seine Fenster dort. Es war ein recht großer Auftrag, die Jungs haben so richtig reingeklotzt. Auf einmal neigte sich die Presse nach hinten und kippte bedrohlich über den Mitarbeiter und blieb dann glücklicherweise aber an einem Gestell hängen. Glück im Unglück: Zwei Mitarbeiter waren direkt da, um zu helfen. Volker Reppel und Markus Klaus haben dann die Fenster weggeräumt und die Presse wieder aufgestellt. Ich ging davon aus, man packt bei der Verglasung noch mal richtig an, auch damit nicht mehr so viel davorsteht, aber Nein, man ging ins Büro, holte die Hilti, dübelte die Presse fest und stellt alle Fenster wieder davor. Weiter ging es, kurz und schmerzlos, ganz pragmatisch das Problem gelöst.
Was bedeutet für dich persönlich das Arbeiten in einem Familienunternehmen, wo du ja zur Familie dazugehörst?
Das, was ich eben eigentlich schon mal erwähnt hatte. Diese kurzen Entscheidungen, die Verantwortung, die man zu tragen hat. Ich weiß noch, wie wir die Halle aus der Insolvenzmasse von BTF gekauft hatten, heute also Werk II. Der Insolvenzverwalter hatte die Halle geräumt, es war nichts mehr drin, das Ding war leer. Und dann stand ich mit Otto Blecher im Tor und ich sagte „Lieber Gott, Otto, was wollen wir mit dem ganzen Platz?“. Bereits fünf Jahre später war die zu klein und vor allem voll. Das musste angebaut werden. Ja, und heute ist alles noch viel größer.