Jubiläumsinterview mit Ralph Schlemper
Zum Jubiläum der Otto Blecher GmbH blicken wir nicht nur auf Jahrzehnte voller handwerklicher Präzision, persönlicher Nähe und kontinuierlicher Weiterentwicklung zurück – wir blicken vor allem auf die Menschen, die dieses Unternehmen geprägt haben. Unsere Mitarbeitenden, Partner und Wegbegleiter haben BLECHER mit ihrem Einsatz, ihren Ideen und ihrem Charakter zu dem gemacht, was es heute ist.
In dieser Interviewreihe geben wir genau diesen Menschen eine Stimme. Sie erzählen von ihren Erfahrungen, besonderen Momenten, Herausforderungen und Zukunftswünschen. Ihre Geschichten zeigen, was unser Unternehmen ausmacht: verlässliche Qualität, echte Verbundenheit und der gemeinsame Anspruch, jeden Tag ein bisschen besser zu werden.
Wir wünschen viel Freude beim Lesen.
Hallo Ralph. Schön, dass du dir die Zeit genommen hast. Wir starten mit der ersten Frage: Wie lange bist du schon bei Blecher und wie bist du ins Unternehmen gekommen?
Mein erster Arbeitstag hier war der 19. Juli 1997. Das ist schon lange her, über 10.000 Tage sind das. Ich hatte zu der Zeit keinen Job und mein Nachbar war beim Arbeitsamt. Der sagte mir, dass bei Blecher jemand für die Verwaltung gesucht wird. Also habe ich eine Bewerbung fertig gemacht und hatte dann auch relativ kurzfristig ein Vorstellungsgespräch hier. An den Tag erinnere ich mich auch noch ganz gut. Das war mit dem Hilmar Goletz, der damalige Buchhalter. Der rief mich an, ob ich nach Laasphe kommen könnte, damit wir uns mal zusammensetzen, man würde mich gerne kennenlernen wollen. Nach dem Bewerbungsgespräch sagte er, er würde das dann mit der Geschäftsleitung besprechen, der Herr Blecher Senior hätte Urlaub und man würde sich bei mir melden. Ich habe gedacht „Ja gut, dann soll er sich mal melden“ und bin wieder nach Hause gefahren. Ich war 5 Minuten daheim, dann rief der Hilmar Goletz wieder an und fragte, ob ich noch mal nach Laasphe kommen könnte, der Herr Blecher Senior wäre jetzt da. Da bin ich noch mal nach Laasphe gefahren und hatte das Gespräch dann mit dem Emil Otto Blecher und mit Christof Blecher, das war locker flockig. Man hat dann so verschiedene Sachen besprochen, was man halt so gerne wissen möchte. Unter anderem hat er mir die Frage gestellt, was meine Gehaltsvorstellungen wären. Ich habe ihm eine Summe X genannt, woraufhin er sagte „Okey, da packen wir noch 200 Mark obendrauf und dann passt das schon.“ Ein paar Tage später hatte ich meinen ersten Arbeitstag hier, das war wie gesagt der 19. Juli.
Erinnerst du dich noch daran, wie dein erster Arbeitstag ablief?
Eigentlich nicht so wirklich. Ich bin eingestellt worden für die Reklamationsbearbeitung, das wusste ich beim Einstellungsgespräch zum Beispiel noch gar nicht. Das hat damals Dietmar Fuchs gemacht und den sollte ich ein bisschen unterstützen und entlasten. Das Problem bei der ganzen Geschichte war, ich hatte von Fenstern so überhaupt keinen Dunst. Was ich noch weiß ist, dass der Umgang miteinander hier total locker war, herzlich und auf Augenhöhe, das kannte ich so bis dahin nicht von einem Betrieb. Durch diesen lockeren Umgang hatte man diesen Umgang auch mit vielen Kunden. Mit denen hatte man natürlich auch zu tun, ob das jetzt um eine Anlieferung ging, eine Reklamation oder wie auch immer. Ich hatte mit einem Kunden aus dem Westerwald zu tun, ziemlich locker, ziemlich flockig. Der wartete einmal auf einen LKW und fragte, wann denn wohl die Lieferung kommt. Ich war auf Späßchen aus und machte dann auch eins am Telefon, das fand der Kunde nicht so witzig, glaube ich und es gab dann eine kleine Packung. Naja, ich glaube, man hat dann irgendwie gemerkt, dass ich in dieser Fenstergeschichte nicht wirklich Fuß zu fassen schien.
Wie hat sich denn dein Aufgabenbereich im Laufe der Zeit verändert?
Also, angefangen habe ich wie gesagt in der Reklamationsbearbeitung. Das hat nach kurzer Zeit die Siglinde Klos übernommen und ich bin in den heutigen Aufenthaltsraum vom Alubau gewandert, da hatte früher der Senior Chef das Büro gehabt. Eine Zeit lang war ich auch an der Zentrale, da saß vorher die Silke Gärber, also heute Bareuther. Danach bin ich räumlich nochmal ein bisschen weiter nach hinten gerückt quasi, Richtung Vorzimmer von Emil Otto Blecher. Da saß ich mit Dunja Jahnel zusammen in einem Büro und ich würden sagen, wir hatten schon so unseren Spaß im Job. Ich kann mich daran erinnern, Dunja war damals schwanger und sie rutschte irgendwie auf ihrem Bürostuhl von dannen und fiel runter. Ich wollte sie aufheben, sie lachte, ich lachte mit und ließ sie gerade wieder los und all solche Späßchen.
Naja, ich bin also von der Reklamationsbearbeitung in die Verwaltung übergegangen mit so alltäglichen Sachen wie Auswertungen und so weiter und so fort. Ich habe auch mal in der Arbeitsvorbereitung gesessen ein paar Jahre lang. Das war von den Leuten her total cool, wir waren wirklich ein klasse Team. Aber ich wurde da nicht so besonders happy, weil man da schon den Anspruch hat, eine gewisse Wissensgrundlage zu haben, was den technischen Bereich betrifft. Das kann man sich natürlich aneignen. Ich erinnere mich da noch an den mittlerweile verstorbenen Kollegen Wolfgang Althaus, der hat mir ein paar Sachen erklären und beibringen sollen und hat mich irgendwann ins eiskalte Wasser geschmissen, nach dem Motto „Nach der dritten Frage musst du’s draufhaben!“ Da war er also ziemlich schnell mit fertig. Was mich da immer so ein bisschen gewurmt hat in dieser Abteilung war einfach die Tatsache, dass du gefühlt nie fertig bist mit dem, was du tust. Da gab es ein Auftragskästchen, heute ist das ja alles digital in ELO, aber damals gab es ein physisches Ablagekästchen. Da wurden die Bestellungen drin gesammelt und dieses Kästchen wurde gefühlt niemals leer. Da fühlte ich mich wie im Hamsterrad.
Damals gab es einen Kollegen, Sven Hiemann, der sich um die Bereiche der EDV und sowas gekümmert hat. Sven war extrem fit in Datenbanken und bastelte die Rechner zusammen, auf denen dann geklimpert worden ist, das war so seine Welt. Der geborene ITler irgendwie. Sven hat dann aus privaten Gründen heraus den Weg nach Würzburg, glaube ich, angetreten und hat sich nicht nur in beruflicher Hinsicht verändert, sondern aus dem Sven wurde eine Nina. Den Weg haben wir alle damals mitbekommen. Da muss ich ehrlich sagen: Respekt vor dem, wie sie es gemacht hat, da muss man schon wirklich Arsch in der Hose haben, gerade hier auf dem Land. Da ziehe ich den Hut vor. Auf jeden Fall, bedingt durch diese Situation des Abwanderns aus dem Unternehmen wurde ein Nachfolger gesucht und man kriegte mit, dass ich ein bisschen Plan von der Materie habe und so schubste man mich mehr oder weniger stillschweigend in das Dilemma der EDV. Irgendwann war ich dann zuständig. Das war etwas, was mir schon Spaß gemacht hat und wo ich Freude dran hatte, auch heute noch habe. Vor vielen, vielen Jahren haben wir mal einen Server umgebaut, da war die Betreuung der Systemlandschaft noch bei Klaes. Freitags wurde normal gearbeitet und nach Feierabend habe ich mich da hingesetzt, die Systeme runtergefahren und die Server ausgetauscht. Samstagmorgen waren die Systeme so halbwegs wieder da und Samstagsabend lief alles wieder, so dass die Kollegen am Montagmorgen wieder arbeiten konnten. Heute würde das gar nicht mehr gehen, alleine wegen der Pausenregelung oder sonst was. Da hat man natürlich damals drauf geschissen und hat sich darüber hinweggesetzt. Mitunter geht's ja auch gar nicht anders, du kannst ja nicht den ganzen Betrieb ruhen lassen. Das waren so Sachen …
Ansonsten mache ich heute viel im Bereich Marketing mit dem Kollegen Lang, der mir gegenübersitzt und ich weiß nicht – so richtig definieren kann man das nicht, glaube ich. Mal ist es der Part, der da überwiegt, mal ist das der andere. Von der Mischung her bin ich eigentlich ganz glücklich damit. Manchmal ist es vielleicht ein bisschen schwierig, das unter einen Hut zu bekommen. Aber so grundsätzlich funktioniert das, der Job ist vielfältig und bietet jeden Tag was anderes. Manche Sachen gehen leicht von der Hand, bei manchen Sachen muss man sich erst finden und rantasten, im Austausch sein mit Kollegen. Das sind die zwei Bereiche, wo ich mich heute tummel und ich glaube, dass das auch ganz gut läuft – hier und da mit ein bisschen Verständnis von den Kollegen, wenn ich die Diva wieder auspacke und mal einen Snickers brauche. Ich kann schon ganz launisch sein, glaube ich. Das ist aber auch so ein Ding, auf der einen Seite stehe ich auf dem Standpunkt, dass jeder, der hier arbeitet, irgendwo in der Lage ist, mal seinen Drucker zu prüfen, ob denn auch noch Papier drin ist, bevor er sagt „Kannst du mal gucken, der Drucker druckt nicht mehr.“ Aber gut, manche Leute sind halt, wie sie sind, genauso wie ich halt auch bin.
Gibt es ein Projekt, auf das du besonders stolz bist?
Ja, ich weiß nicht. Ich glaube, das würde ich anders definieren. Ich mache meinen Job halt gerne. Ich mache meinen Job wirklich sehr, sehr gerne. Ich komme fast jeden Tag tatsächlich gerne zur Arbeit, seit ich hier bin, weil die Leute einfach das Ding mit ausmachen. Stolz bin ich auf den Werdegang hier im Haus, weil ich im Grunde genommen von einem Nadeldrucker mit Endlospapier bis ELO alles miterlebt und auch begleitet habe. Ich könnte jetzt nicht so ein gezieltes Projekt nennen, worauf ich mir auf die Schulter klopfen möchte. Ich bin halt Teilhaber gewesen in meinem ganzen Dasein hier bislang, wie andere Kollegen eben auch, die alle ihr Päckchen dazu beigetragen haben, dass wir heute das sind, was wir sind. Und das macht mich schon stolz und ich glaube, das geht auch jedem anderen ein Stück weit so.
Wenn ich überlege, wie gesagt, als ich hier angefangen habe, gab es in der Arbeitsvorbereitung einen für damalige Verhältnisse High-End-Nadeldrucker. Der war so schwer wie ein Kleinwagen und so groß war das Ding auch. Der machte einen Riesenradau, stand in einem abgetrennten Büroraum mit Schallschutzglas und nudelte da den ganzen Tag vor sich hin. Ansonsten gab es hier keine Drucker und wenn, dann war es halt ein Nadeldrucker. In der Hinsicht war der Senior, Emil Otto Blecher, einfach ein Macher in meinen Augen. Der hat das Ganze immer neugierig betrachtet und war vor allem offen für die Dinge. Ich habe zum Beispiel einen Tintenstrahldrucker und einen Scanner gehabt. Sowas besaß ich privat, aber hier gab es das noch nicht, nur eine Schreibmaschine und besagten Nadeldrucker. Es war immer "gefährlich", sowas mitzunehmen, ob das jetzt ein Drucker war, ein Scanner oder mal eine Kamera. Das ging relativ schnell in Besitz und Eigentum der Firma über. Den Drucker, den ich damals mitgebracht hatte, konnte ich zum Beispiel nicht wieder mit nach Hause nehmen, der wurde mir hier direkt aus der Hand abgekauft. Ich sollte mir einen neuen kaufen und den Beleg dafür mitbringen. Beim Scanner war das damals genau das gleiche Drama. Der Senior Chef war damals wirklich offen für diese ganzen Dinger und wir haben dann auch einfach mehr gewuppt, mehr umgesetzt. Das war einfach cool und da bin ich tatsächlich stolz drauf, dass ich das quasi von der Schreibmaschine bis ELO heute alles mitgemacht habe und bei vielen Sachen eben auch ein entscheidendes Zahnrad im Ganzen gewesen bin.
Gibt es etwas, das dich in deiner Arbeit hier besonders motiviert?
Meine Motivation ist tatsächlich, dass ich in gewisser Hinsicht teilhabe an etwas, egal ob das jetzt Projekte sind, die auf der Agenda stehen oder auch ganz einfach die Kollegen. Auch wenn das von den Kollegen vielleicht nicht unbedingt so gesehen werden mag, ich glaube, der ein oder andere oder die ein oder andere wird sicherlich schallend lachen, wenn ich das so sage. Aber unterm Strich ist das so. Man kennt sich halt, in der Regel schon viele, viele lange Jahre. Mit manchen Leuten ist man hier alt geworden, auch wenn die Leute ja teilweise noch deutlich jünger sind als ich. Aber ich kenne sie halt von Tag eins. Tobias Roth zum Beispiel, der hat seine Ausbildung hier gemacht und ist heute Assistent der Geschäftsführung und Prokurist. Der hat seinen Weg gemacht und genauso habe ich auch andere Leute dabeigehabt, die ich von Tag eins kenne. Das macht dann schon Spaß. Unterm Strich sind es die Kollegen, die einen pushen und wo ich mich auch wirklich drauf freue. Wenn man manchmal irgendwie gemeinsam den Tag übersteht, manchmal aber eben auch die Dinge formt und einfach Teil dran hat an dem ganzen Ding, wenn man sich anguckt, was aus Blecher geworden ist in den letzten Jahren. Und in dem Moment ist man dann auch wieder stolz drauf.
Was hat sich in deiner Zeit bei Blecher am meisten verändert? Und was ist gleichgeblieben?
Heidewitzka, was hat sich am meisten verändert? Ich glaube, am meisten verändert hat sich hier die Arbeitsweise insgesamt. Früher mit Schreibmaschine und Karteikarten in der Verwaltung, der Taschenrechner war in der Buchhaltung eine Pflichtaufgabe. Das hat sich extrem gewandelt. Heute hat jeder mindestens mal seine zwei Bildschirmschirme, kann übers Handy kommunizieren, iPad, Notebook etc. Man ist halt digital und braucht den ganzen Papierkram gar nicht mehr so sehr. Selbst in der Produktion, da gab es früher Fertigungsunterlagen, die mühevoll und endlos immer ausgedruckt worden sind. Ich glaube, wir haben eine ganze Palette Papier im Monat verballert und heute brauchst du die kaum fürs halbe Jahr oder die reicht sogar ein ganzes. Was aber gleichgeblieben ist, das ist zum Beispiel - ich weiß nicht, ob man das „Unternehmenskultur“ nennen kann, aber man ist auf Augenhöhe miteinander. Du bist hier in einem Familienunternehmen, was, als ich angefangen habe, 80 bis 90 Leute hatte und heute sind wir bei 200. Unser aller Chef Christof Blecher weiß, mit wem er spricht, wenn er jemanden hier auf dem Hof sieht und kennt die Leute. Man ist also nicht eine Personalnummer und wenn du was hast, dann kannst du mit wem auch immer darüber sprechen. Ob das jetzt der Vorgesetzte ist oder ob das der Chef ist, der sich für alle irgendwo einen Moment Zeit nimmt. Das ist ein Ding, was sich tatsächlich nie verändert hat. Hier ist immer schon ein offenes Wort auf ein offenes Ohr gestoßen. Das ist besonders wertvoll, gerade heute. Ich denke, jeder hat seine Päckchen, die mit rumgeschleppt werden. Man hat natürlich auch viel erlebt, da war es nie ein Problem zu sagen, ich brauche mal spontan einen Tag Urlaub, da ist auch nicht groß gefragt worden. Als ich das Haus gekauft habe und das eine oder andere anstand, da war man immer flexibel oder als mir mal das Auto verreckt ist auf der Autobahn. „Klar, kein Problem, kümmere dich erst mal.“ und so war das in vielen Sachen. Das ist schon bemerkenswert, finde ich, das hat man halt nicht überall. Ich muss fairerweise sagen, man sieht das für sich immer aus einem anderen Blickwinkel. Das ist so ein Ding, man muss schon mit einer gewissen Grundeinstellung da reingehen und auch hier und da mal in der Lage sein, einfach nur Verständnis zu haben für dies, das, jenes und nicht nur seine Perspektive dabei berücksichtigen. Das ist, glaube ich, aber für alles ganz wichtig im Leben.
Was war dein schönster oder prägendster Moment?
Ach du Welt.
Leg dich fest, jetzt.
Es gibt wirklich unwahrscheinlich viele schöne Momente. Ich kann mich noch dran erinnern, wie unser damaliger Senior Chef Emil Otto Blecher hier und da schon mal mit seinem Auto unterwegs war auf dem Gelände und natürlich den prüfenden Blick überall schweifen ließ, da passierten auch schon mal so kleine Missgeschicke und er musste dann mal mit einem Stapler aus einer Baugrube rausgezogen werden, samt Auto. Oder dann war auch schon mal das Handbremsdilemma, dass das Auto plötzlich einfach wegrollte und man dann hinter dem Auto herlief, das haben wir ein paar Mal gemacht. Ich weiß auch noch, da gab es mal eine Situation, da war er schon im Haus und Christof Blecher kam später nachgefahren und der parkte dann dahinter. Irgendwann wollte der Senior noch mal wegfahren, setzte sich in seinen A8, machte das Auto an und hatte aber so gar nicht auf dem Schirm, dass der Christof Blecher mit seinem A6 dahinter parkte. Er guckte auch nicht in den Rückspiegel und donnerte dann erstmal volles Brot in dieses Auto rein. Natürlich gab das so eine kleine Delle in der Stoßstange. Er stieg dann aus, stieg wieder in sein Auto und fuhr dann eben weg. Sein Sohn kam dann zum Auto und der wusste natürlich so gar nicht, was da passiert ist, dann war erst mal High Life. So geht es halt zu, hätte ich fast gesagt.
Emil Otto Blecher, würde ich sagen, war die prägendste Person für mich im Unternehmen, denn der hat mir einfach immer imponiert. Das war ein Macher, wie ich schon mal sagte. Der wusste, was er will und der setzte das auch, mitunter super spontan, einfach um. Man konnte mit ihm reden, wenn was war. Er hat seine Dinge immer zielstrebig verfolgt, hat dabei aber nie das Gefühl gegeben, man stünde allein im Regen. Und ich glaube, das ist ein ganz großer Teil dieser Unternehmenskultur hier bei uns. Man ist nicht der Einzelkämpfer im Fall der Fälle. Das finde ich extrem wertvoll und das ist so ein Ding, was er uns allen ganz gut mitgegeben hat.
Gibt es noch eine Anekdote, die du raushauen möchtest?
Nee, das würde den Rahmen sprengen. Da gab es wie gesagt viele Geschichten, das wegrollende Auto oder der A8 in der Baugrube, der mit den Staplern wieder rausgefischt wurde. Ich habe auch mal eine Abmahnung bekommen. Die wurde mir mündlich erteilt von einem Emil Otto Blecher. Da ging es um den Westerwaldkunden, den ich damals so nett mit einem Witz belegte, was er nicht so lustig fand. Mir ging dann in dem Moment tatsächlich so ein bisschen der Arsch auf Grundeis, wie der Senior Chef vor mir stand und mich da wirklich anblaffte. Das kannte ich hier tatsächlich nicht bis dahin, dass jemand so aus dem Häuschen fuhr, das war mir gänzlich neu hier im Unternehmen. Diese mündliche Abmahnung, die war sicherlich gerechtfertigt, vielleicht auch nicht. Er sprach sie jedenfalls aus. Was ich aber sehr cool fand, das war einfach die Tatsache, dass er dann diese Geschichte damit beschlossen hat: „Ich habe sie jetzt hiermit mündlich abgemahnt“ und mich dann da hat stehen lassen. 10 Minuten später kam er noch mal ins Büro und war einfach so wie sonst auch, locker flockig vom Hocker und machte da seinen Spaß und ich war total irritiert, weil ich so gedacht habe „Was geht denn hier?“ Das ist aber genau das, was ich auch in der Tat hier wirklich immer so erlebt habe, dass es sicherlich mal hier und da Reibereien gibt, wo man sich mal vielleicht auch etwas schroffer oder lauter begegnet wegen irgendwelchen Diskussionen. Aber grundsätzlich ist die Welt halt in Ordnung und niemand ist hier nachtragend in dem Sinne.
Ich weiß auch noch, wie ich den Hilmar Goletz damals mal abgesaut hab. Es hatte geschneit, den Tag vorher hatte es geregnet und auf dem Hof waren Pfützen. Ich stapfte dann da so her und rutschte natürlich, wie kann es anders sein, aus. Das Spielchen haben wir dann auch dreimal wiederholt, weil die Pfützen waren alle nicht zu sehen und ich war ein gefundenes Fressen für die Pfützen, glaube ich. Ich war dann so angepisst von der ganzen Situation, dass ich dann wutentbrannt ins Personalbüro gegangen bin und den Hilmer angeschrien habe, nach dem Motto, wenn er sich jetzt nicht langsam kümmern würde, dass hier gestreut würde, dann gäbe es gleich noch eine Unfallanzeige, dann hätte er mal ein bisschen was zu tun, ich wäre jetzt dreimal hingefallen, dies, das, jenes. An dem Tag hat sein Tresor aufgestanden, der stand wahrscheinlich jeden Tag auf in der Buchhaltung bei ihm. Ich bin dann an diese Tresortür gegangen, machte sie zu und drehte an dem Rädchen, aus Spaß halt, so nach dem Motto „Ich mach dir jetzt mal deinen Tresor zu.“ Der flippte gänzlich aus und hat mir dann seinen Köcher mit Kugelschreibern hinterhergeworfen von wegen „Jetzt kann ich diesen scheiß Tresor Pin noch mal eingeben“ und so weiter und so fort. Es sind viele Kleinigkeiten also. In den 30 Jahren waren das ganz ganz viele tolle Dinge, aber ich muss ja noch ein bisschen Platz lassen für meine Memoiren später.
Was wünschst du dem Unternehmen für die Zukunft?
Mindestens das gleiche wie bislang. Ganz tolle Mitarbeiter, die das Unternehmen auch genauso mittragen und nach vorne bringen, auf vielen Wegen, wie in den vergangenen Jahren auch schon. Ich wünsche dem Unternehmen natürlich auch, dass viele Dinge so bleiben, wie sie sind, nämlich das Miteinander zum Beispiel. Ich wünsche dem Unternehmen, dass man auch weiterhin auf Augenhöhe miteinander kommunizieren kann. Das wären so die Sachen, wobei ich aber auch felsenfest davon ausgehe und davon überzeugt bin, dass das ein Selbstläufer ist, wie die Jahre davor halt auch.
Angenommen, wir feiern in 10 Jahren das nächste Jubiläum. Was hoffst du, wird sich bewahrt haben?
Ich würde mir wünschen, dass die Dinge sich natürlich, wenn sie sich verändern, zum Positiven verändern. Für den einen ist das Positive eher nicht so toll, für den anderen vielleicht schon, das liegt immer im Auge des Betrachters. Aber ich würde mir wünschen, dass wir auch in zehn Jahren, immer noch so einen tollen herzlichen Umgang miteinander haben, so wie aktuell und so wie das schon seit vielen Jahren ist. Im Grunde genommen, seit ich hier bin. Und ich würde mir auch wünschen, dass ich dann immer noch hier bin. Ich möchte gern alt werden hier im Unternehmen. Ich hoffe, es wird sich bewahrt haben, dass wir immer noch auf diesem familiären Unternehmensfeeling sind, auch wenn wir bis dahin vielleicht bei 300 Mann sind. Da steht ja die nächste Riege schon in den Startlöchern, was das Familiäre angeht. Da ist es im Grunde genommen vom Werdegang ähnlich. Damals, als ich angefangen habe, war Christof Blecher noch nicht in der Situation des Geschäftsführers und mit Jan Lukas Blecher ist das heute auch nichts anderes. Da würde ich mir wünschen, dass das genauso vom Handling her ist, wie es heute auch schon ist. Emil Otto Blecher hat das so gehandhabt, Christof Blecher hat das so gehandhabt über all die Jahre und ich glaube, Jan Lukas Blecher wird das auch so handhaben über die Zeit hinweg, wenn er hier mal das Sagen hat.
Gibt es etwas, das du selbst noch hinzufügen möchtest?
Ein Dankeschön an all die Kollegen, die das hier so liebenswert machen. Auch wenn das vielleicht bei manchen ganz komisch sein mag, ich meine es grundsätzlich nicht böse, auch wenn ich manchmal so ein bisschen fauchig sein kann. Ich hab euch trotzdem lieb. Das ist glaube ich ein schönes Schlusswort.