Jubiläumsinterview mit Ralph Schlemper

Zum Jubiläum der Otto Blecher GmbH blicken wir nicht nur auf Jahrzehnte voller handwerklicher Präzision, persönlicher Nähe und kontinuierlicher Weiterentwicklung zurück – wir blicken vor allem auf die Menschen, die dieses Unternehmen geprägt haben. Unsere Mitarbeitenden, Partner und Wegbegleiter haben BLECHER mit ihrem Einsatz, ihren Ideen und ihrem Charakter zu dem gemacht, was es heute ist. In dieser Interviewreihe geben wir genau diesen Menschen eine Stimme. Sie erzählen von ihren Erfahrungen, besonderen Momenten, Herausforderungen und Zukunftswünschen. Ihre Geschichten zeigen, was unser Unternehmen ausmacht: verlässliche Qualität, echte Verbundenheit und der gemeinsame Anspruch, jeden Tag ein bisschen besser zu werden.

Wir wünschen viel Freude beim Lesen.

 

Hallo Ralph. Schön, dass du dir die Zeit genommen hast. Wir starten mit der ersten Frage: Wie lange bist du schon bei BLECHER und wie bist du ins Unternehmen gekommen?

Mein erster Arbeitstag hier war der 19. Juli 1997. Das ist schon lange her, über 10.000 Tage sind das. Ich hatte zu der Zeit keinen Job und mein Nachbar war beim Arbeitsamt. Der sagte mir, dass bei BLECHER jemand für die Verwaltung gesucht wird. Also habe ich eine Bewerbung fertig gemacht und hatte dann auch relativ kurzfristig ein Vorstellungsgespräch hier. Nach dem Bewerbungsgespräch wurde mir gesagt, man würde das dann mit der Geschäftsleitung besprechen. Ich habe gedacht „Ja gut, dann sollen die sich mal melden“ und bin wieder nach Hause gefahren. Ich war 5 Minuten daheim, dann rief man mich wieder an und fragte, ob ich noch mal nach Laasphe kommen könnte, der Herr Blecher Senior wäre jetzt da. Da bin ich noch mal nach Laasphe gefahren und hatte das Gespräch. Ein paar Tage später hatte ich meinen ersten Arbeitstag hier, das war wie gesagt der 19. Juli.

Erinnerst du dich noch daran, wie dein erster Arbeitstag ablief?

Eigentlich nicht so wirklich. Ich bin eingestellt worden für die Reklamationsbearbeitung, das wusste ich beim Einstellungsgespräch zum Beispiel noch gar nicht. Das hat damals Dietmar Fuchs gemacht und den sollte ich ein bisschen unterstützen. Das Problem bei der ganzen Geschichte war, ich hatte von Fenstern so überhaupt keinen Dunst. Was ich noch weiß ist, dass der Umgang miteinander hier total locker war, herzlich und auf Augenhöhe, das kannte ich so bis dahin nicht von einem Betrieb.

Wie hat sich denn dein Aufgabenbereich im Laufe der Zeit verändert?

Also, angefangen habe ich wie gesagt in der Reklamationsbearbeitung und bin dann in die Verwaltung übergegangen mit so alltäglichen Sachen wie Auswertungen und so weiter und so fort. Ich habe auch mal in der Arbeitsvorbereitung gesessen ein paar Jahre lang. Das war von den Leuten her total cool, wir waren wirklich ein klasse Team. Aber ich wurde da nicht so besonders happy, weil man da schon den Anspruch hat, eine gewisse Wissensgrundlage zu haben, was den technischen Bereich betrifft.

Damals wurde ein Nachfolger für den EDV-Bereich gesucht und man kriegte mit, dass ich ein bisschen Plan von der Materie habe und so schubste man mich mehr oder weniger stillschweigend in das Dilemma der EDV. Irgendwann war ich dann zuständig. Das war etwas, was mir schon Spaß gemacht hat und wo ich Freude dran hatte, auch heute noch habe. Vor vielen, vielen Jahren haben wir mal einen Server umgebaut. Freitags wurde normal gearbeitet und nach Feierabend habe ich mich da hingesetzt, die Systeme runtergefahren und die Server ausgetauscht. Samstagmorgen waren die Systeme so halbwegs wieder da und Samstagabend lief alles wieder, so dass die Kollegen am Montagmorgen wieder arbeiten konnten. Heute würde das gar nicht mehr gehen, alleine wegen der Pausenregelung. Da hat man natürlich damals nicht drauf geachtet und hat sich darüber hinweggesetzt. Mitunter geht's ja auch gar nicht anders, du kannst ja nicht den ganzen Betrieb ruhen lassen. Das waren so Sachen …

Ansonsten mache ich heute viel im Bereich Marketing. So richtig definieren kann man das nicht, glaube ich. Mal ist es der Part, der da überwiegt, mal ist das der andere. Der Job ist vielfältig und bietet jeden Tag was anderes.

Gibt es ein Projekt, auf das du besonders stolz bist?

Ja, ich weiß nicht. Ich glaube, das würde ich anders definieren. Ich mache meinen Job halt gerne. Ich mache meinen Job wirklich sehr, sehr gerne. Ich komme fast jeden Tag tatsächlich gerne zur Arbeit, seit ich hier bin, weil die Leute einfach das Ding mit ausmachen. Stolz bin ich auf den Werdegang hier im Haus, weil ich im Grunde genommen von einem Nadeldrucker mit Endlospapier bis ELO alles miterlebt und auch begleitet habe. Ich könnte jetzt nicht so ein gezieltes Projekt nennen, worauf ich mir auf die Schulter klopfen möchte. Ich bin halt Teilhaber gewesen in meinem ganzen Dasein hier bislang, wie andere Kollegen eben auch, die alle ihr Päckchen dazu beigetragen haben, dass wir heute das sind, was wir sind. Und das macht mich schon stolz und ich glaube, das geht auch jedem anderen ein Stück weit so.

Dazu gehören auch ganz einfach die Kollegen. Man kennt sich halt, in der Regel schon viele, viele lange Jahre. Mit manchen Leuten ist man hier alt geworden, auch wenn die Leute ja teilweise noch deutlich jünger sind als ich. Aber ich kenne sie halt von Tag eins. Tobias Roth zum Beispiel, der hat seine Ausbildung hier gemacht und ist heute Assistent der Geschäftsführung und Prokurist. Der hat seinen Weg gemacht und genauso habe ich auch andere Leute dabeigehabt, die ich von Tag eins kenne. Das macht dann schon Spaß. Unterm Strich sind es die Kollegen, die einen pushen und wo ich mich auch wirklich drauf freue.

Was hat sich in deiner Zeit bei BLECHER am meisten verändert? Und was ist gleichgeblieben?

Heidewitzka, was hat sich am meisten verändert? Ich glaube, am meisten verändert hat sich hier die Arbeitsweise insgesamt. Früher mit Schreibmaschine und Karteikarten in der Verwaltung. Der Taschenrechner war in der Buchhaltung eine Pflichtaufgabe. Das hat sich extrem gewandelt. Heute hat jeder mindestens mal seine zwei Bildschirmschirme, kann übers Handy kommunizieren, iPad, Notebook etc. Man ist halt digital und braucht den ganzen Papierkram gar nicht mehr so sehr. Selbst in der Produktion, da gab es früher Fertigungsunterlagen, die mühevoll und endlos immer ausgedruckt worden sind. Ich glaube, wir haben eine ganze Palette Papier im Monat verballert und heute brauchst du die kaum fürs halbe Jahr oder die reicht sogar ein ganzes.

Was aber gleichgeblieben ist, dass man auf Augenhöhe miteinander ist. Du bist hier in einem Familienunternehmen, was, als ich angefangen habe, 80 bis 90 Leute hatte und heute sind wir bei 200. Unser Chef Christof Blecher weiß, mit wem er spricht, wenn er jemanden hier auf dem Hof sieht und kennt die Leute. Man ist also nicht eine Personalnummer. Das ist ein Ding, was sich tatsächlich nie verändert hat. Hier ist immer schon ein offenes Wort auf ein offenes Ohr gestoßen. Das ist besonders wertvoll, gerade heute. Ich denke, jeder hat seine Päckchen, die mit rumgeschleppt werden. Man hat natürlich auch viel erlebt, da war es nie ein Problem zu sagen, ich brauche mal spontan einen Tag Urlaub, da ist auch nicht groß gefragt worden. Das ist schon bemerkenswert, finde ich, das hat man halt nicht überall.

Was war dein schönster oder prägendster Moment?

Ach du Welt.

Leg dich fest, jetzt.

Es gibt wirklich unwahrscheinlich viele schöne Momente. Emil Otto Blecher, würde ich sagen, war die prägendste Person für mich im Unternehmen, denn der hat mir einfach immer imponiert. Das war ein Macher. Der wusste, was er will und der setzte das auch, mitunter super spontan, einfach um. Man konnte mit ihm reden, wenn was war. Er hat seine Dinge immer zielstrebig verfolgt, hat dabei aber nie das Gefühl gegeben, man stünde allein im Regen. Und ich glaube, das ist ein ganz großer Teil dieser Unternehmenskultur hier bei uns. Man ist nicht der Einzelkämpfer im Fall der Fälle. Das finde ich extrem wertvoll und das ist so ein Ding, was er uns allen ganz gut mitgegeben hat.

Gibt es noch eine Anekdote, die du raushauen möchtest?

Nee, das würde den Rahmen sprengen. Da gab es wie gesagt viele Geschichten, es sind viele Kleinigkeiten. In den fast 30 Jahren waren das ganz ganz viele tolle Dinge, aber ich muss ja noch ein bisschen Platz lassen für meine Memoiren später.

Was wünschst du dem Unternehmen für die Zukunft?

Mindestens das gleiche wie bislang. Ganz tolle Mitarbeiter, die das Unternehmen auch genauso mittragen und nach vorne bringen, auf vielen Wegen, wie in den vergangenen Jahren auch schon. Ich wünsche dem Unternehmen natürlich auch, dass viele Dinge so bleiben, wie sie sind, nämlich das Miteinander zum Beispiel. Ich wünsche dem Unternehmen, dass man auch weiterhin auf Augenhöhe miteinander kommunizieren kann. Das wären so die Sachen, wobei ich aber auch felsenfest davon ausgehe und davon überzeugt bin, dass das ein Selbstläufer ist, wie die Jahre davor halt auch.

Angenommen, wir feiern in 10 Jahren das nächste Jubiläum. Was hoffst du, wird sich bewahrt haben?

Ich würde mir wünschen, dass die Dinge sich natürlich, wenn sie sich verändern, zum Positiven verändern. Und, dass wir auch in zehn Jahren immer noch so einen tollen herzlichen Umgang miteinander haben, so wie aktuell und so wie das schon seit vielen Jahren ist. Und ich würde mir auch wünschen, dass ich dann immer noch hier bin, ich möchte gern alt werden hier im Unternehmen. Ich hoffe, es wird sich bewahrt haben, dass wir immer noch auf diesem familiären Unternehmensfeeling sind, auch wenn wir bis dahin vielleicht bei 300 Mitarbeitenden sind. Da steht ja die nächste Riege schon in den Startlöchern, was das Familiäre angeht. Damals, als ich angefangen habe, war Christof Blecher noch nicht in der Situation des Geschäftsführers und mit Jan Lukas Blecher ist das heute auch nichts anderes. Da würde ich mir wünschen, dass das genauso vom Handling her ist, wie es heute auch schon ist. Emil Otto Blecher hat das so gehandhabt, Christof Blecher hat das so gehandhabt über all die Jahre und ich glaube, Jan Lukas Blecher wird das auch so handhaben über die Zeit hinweg, wenn er hier mal das Sagen hat.